24. Urlaub, Erkältung und Entenmedizin
Der Name des Blogs hat sich geändert!
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Wilm war sehr krank, als er noch ein Küken war. Die Tierärztin hatte das passende Antibiotikum, das ihm geholfen hat. Weil anfangs noch unklar war, was die Ursache seiner Krankheit war, gab sie uns vorsichtshalber auch ein Mittel gegen Würmer mit. Das sollten wir ihm in den Schnabel sprühen.
Wilm brauchte es nicht. Trotzdem füllten wir es in eine leere Nasensprayflasche. Für den Fall der Fälle hoben wir das Mittel auf – vielleicht würden wir es irgendwann noch einmal brauchen.

Unsere Urlaubsplanung lief dieses Jahr anders als sonst. Es entschied sich erst kurz vor unserer Abfahrt, ob wir überhaupt fahren würden oder nicht. Die Versorgung der Tiere musste spontan organisiert werden, und auch das Packen für den Urlaub ging entsprechend spontan und schnell. Natürlich wanderte unter anderem auch mein „Nasenspray“ in den Koffer, weil ich ständig Probleme mit meinen Nasennebenhöhlen habe. Ist meine Nase verstopft, kann ich nicht schlafen.
Im Urlaub kam es genau so, wie ich es schon öfter erlebt habe. Pünktlich zu Urlaubsbeginn bekam ich eine Erkältung.
Der Stress zieht aus, die Erkältung zieht ein.
Abends brauchte ich deshalb mein Nasenspray. Ich wunderte mich zwar, dass nichts passierte, ich keine Luft durch die Nase bekam Aber ich schlief trotzdem ein - und wurde nach kurzer Zeit wieder wach. Das passierte mehrfach in dieser Nacht.
Also sprühte ich jedes Mal wieder nach – irgendwann muss das doch helfen.
Doch irgendwann brannte meine Nase ganz fürchterlich. So schlimm, dass ich nicht mehr schlafen konnte.

Als ich in den frühen Morgenstunden das Licht einschaltete und die Flasche genauer ansah, wurde mir plötzlich richtig schlecht.
Ich hatte versehentlich die Sprühflasche mit Wilms Entwurmungsmittel eingepackt, nicht meine Flasche Nasenspray.
Wie dumm!
Und warum hatte ich nicht schon früher nachgeschaut, was auf der Flasche stand?
Mein Vorname bedeutet übrigens „die Blinde“. An dieser Stelle passte das irgendwie.
Ich hatte ein bekanntes Problem. Ich wusste, was mir normalerweise hilft, und griff ganz selbstverständlich zur Lösung: Zu einer Flasche, von der ich annahm, dass sie das Richtige enthielt. Die Verpackung passte – also hinterfragte ich den Inhalt gar nicht.
Dabei stellte sich mir eine andere Frage: Wo mache ich das eigentlich noch in meinem Leben?
Wo konsumiere ich Dinge, die mir vertraut und harmlos erscheinen, obwohl vielleicht etwas ganz anderes dahintersteckt? Wo suche ich Hilfe, ohne zu merken, dass sie mir möglicherweise mehr schadet als nützt? Und weil ich denke, das seien nur kurzfristige unangenehme Nebenwirkungen, mache ich einfach weiter. So wie mit Wilms Nasenspray.
Mir fallen zum Beispiel soziale Medien ein. Eine sympathische Person bewirbt ein Produkt oder gibt konkrete Tipps, was man bei welchem Problem unbedingt konsumieren oder tun sollte. Weil die Person sympathisch wirkt, erscheint auch der Rat vertrauenswürdig.
Oder ich frage Menschen um Rat, die ich sehr schätze. Weil die Beziehung trägt und ich viel von ihnen halte, gehe ich vielleicht automatisch davon aus, dass auch jeder ihrer Ratschläge genau der richtige für mich sein muss.
Dabei muss der Rat gar nicht falsch sein. Man muss nur prüfen, ob er für einen selbst gut und hilfreich ist.
Beziehung und Rat voneinander zu trennen, ist manchmal gar nicht so leicht. Oft merkt man nicht einmal, dass man beides miteinander vermischt.
Genau das ist mir mit der Nasensprayflasche passiert. Der Inhalt war ja nicht grundsätzlich schlecht. Im Gegenteil: Für Enten mit Würmern ist das Mittel genau das Richtige. Für meine Nase dagegen war es völlig falsch und sogar schädlich.
Ich hatte nur auf die Verpackung geschaut und nicht auf den Inhalt.
So kann es auch mit Ratschlägen sein. Menschen, die uns schon oft gut beraten haben, können uns auch einmal etwas empfehlen, das für sie oder andere sinnvoll ist, aber nicht unbedingt für uns.

Im Urlaub – ausgerechnet durch Wilm, der zu dieser Zeit gar nicht bei uns war – bekam ich diesen kleinen Denkanstoß: Prüfe immer, was du konsumierst. Egal, ob es ein Nasenspray ist, Informationen aus den sozialen Medien oder Ratschläge von Menschen, die du sehr schätzt.
In einem bekannten christlichen Buch findet sich dieser Gedanke auch immer wieder. Besonders prägnant heißt es: „Prüft alles, das Gute behaltet.“
Das habe ich mir jedenfalls vorgenommen: nicht alles ungeprüft zu übernehmen, nur weil die Verpackung vertraut aussieht oder der Absender vertrauenswürdig ist.
Ob mir das immer gelingt? Ich weiß es nicht.
Aber ich hoffe es.